Bananen, Banken und Banausen
Oma, Opa und die fremde Frau
„Hier, kuck mal Charlotte, das wär doch das Richtige.“
„Was ist denn das?“
„Ein Navi!“
„Ein was?“
„Ein Navigationsgerät!“
„Aber Hermann, was willst du damit? Du hast doch gar kein Schiff!“
„Das ist ein Navi fürs Auto!“
„Hermann, wozu brauchst du noch so ein Navi ... Navigationsgerät? Du wirst zweiundachtzig.“
„Solange ich noch Auto fahre, kann ich auch ein Navi gebrauchen, Charlotte.“
„Aber du fährst doch gar nicht mehr viel.“
„Du lässt mich ja nicht.“
„Hast du die mitgenommene Ampel, den eingefahrenen Gartenzaun und die umgeknickte Parkuhr schon vergessen?“
„Siehst du, das alles wäre mit Navi nicht passiert. Das sagt nämlich an, wenn du verkehrt bist.“
„Hermann, gegen deine Fahrkünste wäre auch das beste Navi machtlos. Du kannst dich einfach nicht mehr so konzentrieren, und dann der viele Verkehr. Ich weiß ja, dass du vorsichtig fährst, ich könnte wetten, im Umkreis von zweihundert Kilometern ist keiner langsamer als du. Aber das allein macht es nicht. Sieh das doch ein.“
„Meine liebe Charlotte. Die Ampel war neu, die stand vorher nicht da, der Gartenzaun war beim Rückwärtsfahren im Dunkeln nicht zu sehen, und die Parkuhr, die hatte ich gar nicht im Rückspiegel.“
„Und was ist mit dem Schaden von Nachbars Wagen, der stand am hellichten Tag in der Parkspur.“
„Ach, wärm doch nicht immer diese ollen Kamellen auf, das ist schon mehr als vier Wochen her ...“
„Überleg doch mal Hermann, wann brauchst du mal ein Navi? Du fährst doch viel zu selten. Und wenn du mal fährst, dann nur bei uns in der Stadt. Da kennst du doch jede Ecke.“
„Und wenn ich mal in eine andere Stadt muss, denn weiß ich nicht, wie ich fahren soll. Da ist doch so eine kleine Hilfe genau das Richtige für mich. Schau mal her, Charlotte.“
„Nein, ich schau nicht!“
Der erfahrene, frauenverstehende Pädagoge sprach mit einfühlsamer Stimme: „Du sollst jetzt hierher kucken, verdammt noch mal!“
Charlotte schaute auf das Navi, die Kunden des überfüllten Elektronik-Fachmarkt auf Charlotte.
„Und wie funktioniert das?“
„Ich brauche nur einzutippen, wo ich hinwill, und schon sagt mir eine Frau, wo ich langfahren muss. Ist ganz einfach.“
„Welche Frau?“
„Kenne ich nicht, eine Frau eben, eine Fremde!“
„Eine fremde Frau kommt mir nicht ins Auto, Hermann! Hast du gehört, keine fremde Frau!“
„Kommt sie ja auch nicht, sie sieht mich über einen Satelliten.“
„Ja, das glaub man, dass sich eine fremde Frau die Zeit nimmt, dich übern Satelliten zu beobachten. Wenn die Firmen was loswerden wollen, versprechen sie dir alles. Der Mann von der Stromversorgung hat auch versprochen, es wird nicht teurer ... Und was ist draus geworden? Siehst du! Und du glaubst, dass sich eine wildfremde Frau auf einen Satelliten setzt und kuckt, wo du grade bist und wo du hinfährst! Hermann! Was ist zum Beispiel, wenn deine Fremde mal zum Arzt muss oder etwas vorhat. Die kann doch nicht immer warten, bis du sie mal brauchst, Hermann. Ich würde mich nicht darauf verlassen. Vielleicht wird auch mal ihr Kind krank. Hat sie Kinder?“
Ein Verkäufer eilte herbei und fragte, ob er behilflich sein könne.
Hermann nutzte die Gunst des Augenblicks und gab ihm zu verstehen, dass seine Frau gern ein Navi hätte und nicht wisse, für welches sie sich entscheiden solle.
Charlottes Blutdruck schnellte nach oben, ihre Mundwinkel erinnerten eher an Angie.
Dem geschulten Verkäuferauge entging nicht, dass Hermanns Augen sehnsuchtsvoll ein bestimmtes Gerät im Visier hatten.
Rein zufällig stellte der Verkaufsfreudige ihnen genau dieses vor, erklärte dieses und jenes und bemerkte abschließend: „Wir haben dasselbe Gerät auch noch mit Stauumfahrung.“
„Hermann, eine Stauumfahrung brauchst du nicht. Der Stau ist immer erst hinter dir!“
Dieses wertete Hermann als grünes Licht für den Kauf. Auf Charlottes Wange landete ein Küsschen, im Korb ein Navi.
„Ich geb dir auch mal einen Kaffee aus, wenn’s irgendwo passt“, war Hermann dankbar. Charlotte hätte in diesen Augenblicken ein Beruhigungstee besser getan.
„Hab auch extra nicht so ein teures genommen, hast ja gesehn, was die andern Dinger kosteten“, versuchte Hermann den Familienfrieden wiederherzustellen.
„Wenn du wirklich einmal irgendwo nicht weiter weißt, dann hättest du immer noch jemanden fragen können.“
„Und wenn keiner da ist, den du fragen kannst?“
„Da, wo du mit dem Auto fährst, Hermann, ist immer einer, den du fragen könntest. In Ecken, wo kein Mensch nicht ist, da fährst du auch nicht mit dem Auto hin.“
„Man weiß ja nie, und dann ist es doch besser, vorbereitet zu sein.“
Stolz, als hätte er einen Pokal gewonnen, verließ Hermann den Markt. In der linken Hand den Beutel mit seinem Schmuckstück, an der rechten sein Schmuckstück mit mehreren Beuteln.
Am selben Abend saß Hermann daheim und versuchte, dem Navi Leben einzuhauchen, sprich die Grundeinstellungen vorzunehmen und die Bedienungsanleitung zu lesen. Es dauerte vierzehn Minuten, bis er die deutsche Bedienungsanleitung überhaupt gefunden hat. Selbige war offenbar im nicht deutschsprachigem Raum verfasst worden und entsprach dem Rechtschreibniveau eines durchschnittlichen Hauptschülers Klasse drei. Dann dauerte es vierzehn Tage, bis er sie verstand und das Gerät seinen Anweisungen folgte. Während dieser Zeit rentierte sich eine Standleitung zur Service-Hotline. Bei 1,99 Euro je Minute bekam die nachfolgende Telefonrechnung ein völlig anderes Gesicht, Hermann beim Anblick derselben ebenso. Charlotte wurde wenige Minuten später von der dringenden medizinischen Hilfe mit einem Kreislaufzusammenbruch ins nächstgelegene Krankenhaus gefahren.
Nun hatte Hermann alle Zeit und Ruhe der Welt, sich mit der Technik vertraut zu machen. Dachte er. Doch die Zeit verging wie im Fluge, und schon ein paar Tage später war seine Charlotte wieder daheim. Gemeinsam beschlossen sie, am folgenden Tag nach Schwerin zu fahren, um dort einen schönen Tag zu verleben, mit Einkaufsbummel, Schönessengehen, Theater und allem Drum und Dran.
Hermann versuchte, das Navi zu programmieren, und so war der Abend schnell vergangen.
Die siebzig Kilometer bis Schwerin leistete das Gerät gute Dienste. Aber bis vor die Blitzer der Vorstadt hätte Hermann den Weg auch so gefunden. Nun würde sich zeigen, was das Gerät wirklich wert war. Charlotte beobachtete im Rückspiegel noch immer heimlich das ihnen folgende Fahrzeug, konnte aber die Ansagerin fürs Navi nicht entdecken ...
„In einhundert Metern rechts abbiegen“, wies die nette Dame Hermann an.
„Stand da nicht eben: In hundert Metern ist eine Umleitung, Charlotte?“
„Jaja, da ist gesperrt.“
„Na gut, nehm ich die nächste, kuck mal, da vorne ist schon das Schloss.“
„Da kannst du nicht rechts weg, siehste Hermann, da ist eine Einbahnstraße.“
„Bitte wenden und in fünfzig Metern links abbiegen“, mischte sich Frau Navi ein.
Hermann sah das Wendeverbotsschild gerade noch rechtzeitig.
„Kuck ma, da vorne steht ein Schild, Baustelle, da kannst du nicht rechts weg, da musst du links.“
„Na, dann fahren wir eben links, wenden und versuchen es andersrum.“
„Hermann, pass auf, kuck nicht immer auf dieses Dingens, kuck auf die Straße. Außerdem ist hier Tempo 30.“
In diesem Moment wurde es für Sekundenbruchteile sehr hell.
„Hast du das gesehen Hermann? Was war das?“
„Eine Gelddruckmaschine!“
„So etwas gibt es? Und warum steht die mitten auf der Straße?“
„Weil du mit dem Auto nicht ins Kaufhaus fahren darfst! Vater Staat hat die erfunden. Nun kriegen wir ein schönes Bild nach Hause geschickt. Dafür wollen sie dann natürlich anständig Kohle sehen.“
„Ein richtiges Foto zur Begrüßung von uns beiden? Wir zwei im Auto in Schwerin! Herrlich, einfach herrlich, das nenne ich wirklich mal eine Überraschung. So was haben wir noch gar nicht. Du, Hermann, im Erlebnispark machen sie das auch, sogar in Postkartengröße. Was sind die Menschen freundlich hier in Schwerin, die denken einfach an alles. Da werden wir gleich noch ein paar Bilder nachbestellen, für die Kinder. Sind die in Farbe?“
„Lotte, ich muss fahren!“
„In einhundert Metern rechts abbiegen“, sprach Frau Navi.
Nach hundert Metern kam eine riesige Baugrube, voll mit Wasser.
„Kommt hier eine Fähre, Hermann?“
„Mitten in der Stadt? Ich glaube eher nicht. Aber ich werde schon was finden!“
Hermann sah nur noch Baustellen- und Umleitungsschilder.
„In fünfzig Metern rechts abbiegen!“
„Jetzt rechts abbiegen.“
„Soll ich hier ins Schaufenster fahren, oder was? Lotte mach das Ding aus, die Olle quatscht ja noch mehr Blödsinn als du. Kuck mal da hinten, da ist ein Parkverbot, da ist bestimmt noch irgendwo eine Lücke.“
„Aber wenn du den Wagen da hinstellst, kommt die Polizei und verwarnt dich, du hast schon vierzehn Punkte in Flensburg, Hermann, sei vorsichtig!“
„Lieber zahle ich zwanzig Euro Verwarngeld, das wird billiger, als wenn ich mir den ganzen Tank leer fahre. Hätte ich bloß eins mit Stauumfahrung genommen!“
„Woher soll diese Frau, diese Fremde, wissen, dass du in Schwerin bist, wenn sie weiß, dass du in Schwerin bist, woher weiß sie, wo du in Schwerin bist und woher weiß sie, dass hier lauter Baustellen und Straßensperrungen sind? Ich glaube nicht an den Zauber.“
Nach einer viertel Stunde fand Hermann endlich eine Lücke. Gebührenpflichtig, aber immerhin. Ins Zentrum gelangten sie mit der Taxe.
In der Einkaufspassage steuerte Charlotte direkt auf einen Handy-Shop zu. Hermann fragte entgeistert: Wozu brauchst du ein Handy, Charlotte?“
„Na zum Telefonieren!“
„Aber du gehst doch kaum mal aus dem Haus, da kannst du doch von Zuhause aus anrufen.“
„Ich bin öfter unterwegs als du mit deinem Auto und der fremden Frau, die nicht weiß, wo es lang geht.“
Der Verkäufer erklärte, was das Handy alles konnte. Sogar ein Navi sei drin, sagte er. Charlotte lächelte dem Verkäufer zu: „Ich nehme es aber nur, wenn die Dame sich in Schwerin auskennt.“ Und zu Hermann gewandt: „Ich geb dir auch mal einen Kaffee aus, wenn’s passt!“
Prigfritz und seine Freunde
Versuch einer Liebeserklärung an meine Heimatregion
Welch ein herrlicher Landstrich, in dem ich lebe. Weite Felder geben den Blick schon auf die ersten Strahlen der Sonne frei. Mancher Maler hielt längst im Bilde fest, wie sie zu später Stunde vom Horizont her ihre glutroten Abendgrüße sendet. Fachwerkhäuser aus alter Zeit und neu entstandene Eigenheime geben den Menschen in beschaulichen Dörfern und kleinen Städten das Zuhause. Störche kreisen über den Dächern. Die Elbe nimmt Schiffe mit auf ihren Weg, kleinere Flüsse, wie die Stepenitz, schlängeln sich anmutig plätschernd durch die Natur. Kiefernwälder sind, auch Birke und Buche. Jung und Alt haben an heißen Tagen in Badeseen ihren Spaß. Angelteiche bieten den Petrijüngern reichen Fang.
Vereine mit unterschiedlichsten Zielen halten die Bindung zwischen den Menschen aufrecht. Gleichgesinnte teilen ihre Freizeit miteinander, und erzählen sich von Freud und Leid. Galerien, Museen und Ausstellungen bieten den Menschen Abwechslung, führen Künstler aus der Fremde mit den hier Heimischen zusammen. Bibliotheken laden ein, ihre Ausleihen zu nutzen und machen auch all jenen Literatur zugänglich, die sie sich nicht kaufen können. Auch hier ging die Welle der Marktwirtschaft nicht spurlos vorbei... Die Sorgen vieler Menschen sind groß, ich habe es nicht übersehen, doch sei das nicht Gegenstand dieser Geschichte.
Ich wandere und genieße den Duft blühender Rapsfelder, die im Frühjahr immer wieder aufs neue ihren gelben Blütenteppich über die Ebene legen. Ein prächtiges Bild, dazu ein so frisches Aroma in der Luft, dass es einem die Sinne betört. Wie kraftvoll nimmt doch die Natur ihren Lauf. Frühling, sei willkommen. Mein Blick schweift bis an die Ruhner Berge.
Der Schauspieler Kurt Böwe, der wegen seiner Volkstümlichkeit unvergessen bleiben wird, hatte hier in der Prignitz seine Wurzeln. Er nannte diese kleinen Erhebungen einst „Prignitzer Alpen“. Erinnerungen an Spaziergänge mit ihm erwachen in mir. „Kodi“ und ich haben zusammen gelacht und philosophiert. Das Leben als Bühne und die Bühne überhaupt. Fontane und Dürrenmatt, Marx und Kohl. Heute wandele ich allein auf unseren Spuren von einst. Verweile hier und dort, halte an diesem fast schon berühmten Findling inne, unter welchem jene noch berühmtere Flasche liegt, die nie leer werden soll... Aber nicht wegen ihr bin ich hier, ich nehme den Atem der Natur in mir auf. Schmetterlinge tanzen scheinbar miteinander, ein Marienkäfer krabbelt am Ärmel meines Hemdes hinauf. Und hoch oben kreist mit scharfem Auge der Bussard. Ameisen in großer Zahl queren den trockenen Sandweg.
Leben umgibt mich.
Meine Gedanken beschäftigen sich mit dem Leben. Und dem, was bleiben wird. Heute wird vieles festgehalten, in Bildern, Filmen, Büchern und Liedern. Wie aber war es früher? Wie war es zu jener Zeit, als noch niemand Bücher schrieb oder Filmkameras alle Wege begleiteten? Hier, mitten in der Natur, gebe ich mich den Gedanken an vergangene Zeiten hin. So manche Sage ist überliefert, in Archiven finden sich vergilbte Schriftstücke, die von Lob und Leid, von Recht und Unrecht, auch von Glück und Unglück künden. Nicht alles ist erhalten, so manches fiel Stadtbränden und Kriegen zum Opfer. Nicht alle mündlichen Überlieferungen haben die Jahrhunderte überstanden, Wertvolles ging verloren oder wurde im Laufe der Zeit entstellt. Der Wahrheitsgehalt lässt sich nur noch schwer prüfen. Manche Geschichte ist auch vollkommen erdacht. So, wie die vom Prigfritz und seinen Freunden...
Vor einigen hundert Jahren wohnte in einem kleinen Dorf ein Mann namens August Bartels. Er hatte des Nachbars Tochter Lisa zur Frau genommen und sie lebten unter recht ärmlichen Verhältnissen in einem Häuschen, das nur spärlich eingerichtet war. Ihr Glück sahen sie darin, füreinander da zu sein. Von früh bis spät gingen sie ihrer Arbeit auf dem Felde nach. Schwere Arbeit war’s, die da bei Wind und Wetter jeden Tag auf sie wartete. Doch was sie ernteten, gehörte dem Gutsherrn. Ihnen blieb nur das Nötigste zum Leben. Sie waren froh, wenn etwas zum Essen auf dem Tisch stand. Im Winter war es das Arme - Leute - Essen, der Knieper, auch Suren Hansen genannt. Diese Delikatesse entwickelte sich in der Region zum traditionellen „Nationalgericht“.
Die Familien ringsum zählten viele Kinder, was zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches war, denn viele Kinder bedeuteten viele Helfer. Kinder waren ein Segen für die Menschen, wenngleich auch immer ein großer Tisch zu decken war. Nur der Bartels-August und seine Lisa blieben lange Zeit allein, obwohl sie sich schon über Jahre einen Sohn wünschten. Die Kinderschar in der Nachbarschaft war groß, nur ihnen war es nicht gegönnt, auch nur ein einziges zu bekommen. So gingen die Jahre ins Land, beinahe schon hatten sie die Hoffnung aufgegeben, als sie bemerkten, dass unter Lisas Herzen ein zweites schlug. Einige Monate später brachte sie einen Sohn zur Welt. Ihr könnt euch denken, wir groß die Freude bei den beiden war. Auf der Suche nach einem Namen für ihr Kind besann sich das Paar auf seine heimatlichen Wurzeln, denen sie ihr Lebtag verbunden blieben. „Prignitz“ nannte man diese landschaftlich reizvolle Region seit etwa Ende des vierzehnten Jahrhunderts. In Anlehnung daran gaben sie ihrem Jungen den Namen „Prigfritz“. Er wuchs heran und wurde ein lustig anzuschauender Knabe. Er war fleißig, fröhlich und gutmütig gegenüber jedermann. Niemandem konnte er eine Bitte abschlagen, half, wo seine helfende Hand gebraucht wurde und bewies für allerlei Arbeiten recht handwerkliches Geschick. Sein Umgang mit den Menschen war durch Ehrlichkeit und Achtung geprägt und so hatte der Name Prigfritz schnell auch über sein Heimatdorf hinaus einen guten Klang. Wenn es die Zeit hergab, ging er gern in den Wäldern ringsum spazieren, oder schlenderte am Feldrain entlang. In allen Jahreszeiten genoss er, was ihn an natürlicher Schönheit umgab, denn immer wieder entdeckte er Neues. Seien es die ersten Frühblüher, die aus dem Boden sprossen, die jungen Knospen, das welke Blatt im Herbst oder die Spuren von Reh und Hase im Schnee.
Eines Tages ging in seinem Heimatdorf, das nahe bei Pritzwalk gelegen war, die Kunde um, man bereite sich auf eine besondere Jagd vor. Den letzten in der Prignitz lebenden Wolf wolle man erlegen, da er eine Bedrohung für die Schafe sei. Prigfritz hatte noch nie davon gehört, dass in dieser Gegend ein Wolf auch nur ein einziges Schaf gerissen hatte. So wie er dachten auch viele andere, dass es sich einer der hohen Herren in den Kopf gesetzt hatte, sich mit der Trophäe des letzten Wolfes zu schmücken.
Prigfritz tat es leid um den Wolf und schnell stand für ihn fest, dass er alles daran setzen würde, ihn zu retten. Um sein Vertrauen zu gewinnen, schnitt er einen Streifen des geräucherten Schinkens, der im Rauchfang seines Elternhauses hing, und teilte ihn in kleine Stücke. Dann machte er sich auf die Suche, er wollte den Wolf finden, bevor das große Treiben beginnen sollte. Die Zeit drängte und er wusste gar nicht genau, wo er ihn überhaupt suchen sollte. Drei Tage lang streifte Prigfritz durch die Wälder, amte den Ruf der Wölfe nach und lauschte, ob er antworten würde. Doch der Wolf schien wie vom Erdboden verschwunden. Wie tief er auch die Wälder durchquerte und nach ihm rief, er konnte ihn nirgends entdecken. Vom langen Weg durch das unwegsame Gehölz taten ihm schon die Füße weh. An so manchem Gestrüpp hatte er sich tiefe Kratzer an Armen und Beinen geholt, auch der Hunger quälte ihn. Doch er dachte nicht daran, sein Vorhaben aufzugeben. Immer weiter trugen ihn seine müden Füße. Nur ein Gedanke trieb ihn: Du musst den Wolf finden, du musst ihn retten. Immer und immer wieder heulte er den Ruf der Wölfe, lauschte gespannt und kämpfte sich weiter voran, als es auch diesmal wieder still blieb. Dann plötzlich fand er im feuchten Waldboden eine Spur, die nur von dem Wolf stammen konnte. Voller Freude begann er erneut zu heulen, tun und lauschte in die Dämmerung. Er wiederholte seinen Ruf. Ein ums andere Mal. Vergebens. Dann endlich vernahm er den Isegrim, den er so lange gesucht hatte. Es klang ihm wie ein Lied in den Ohren, so sehr freute er sich. Vorsichtig schlich er in jene Richtung weiter, aus der er glaubte, den Ruf gehört zu haben. Freude erfüllte Prigfritz Herz, doch auch ein Stück Angst. Er wusste: so ein Wolf ist kein zahmes Haustier und fragte sich, wie würde er wohl reagieren?
Plötzlich sah er ihn stehen, mitten auf einer Lichtung. Prigfritz verharrte vor Schreck auf der Stelle. Nun hatte er ihn so lange gesucht, endlich gefunden, und nun befiel ihn doch ein wenig die Angst. Noch nie hatte er einen Wolf gesehen, so groß hatte er ihn sich nie im Leben vorgestellt.
Eine Rose für Dich - Leseprobe
Ausschnitt aus der Erzählung "Andreas und Petra"
Wie wird dieser Abend weitergehen?, schießt es ihm immer wieder durch den Kopf. Worüber würden sie reden? Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft sogar?
So vieles würde er gern über sie wissen wollen. Aber ist das alles Sache der ersten Nacht? Die würde man doch nie vergessen! Was wollte sie wohl lieber? Den Nachsichtigen, der warten kann, oder den Leidenschaftlichen, der ihr zeigt, dass er sie begehrt? Lange genug war sie allein, vier Jahre sind eine lange Zeit.
Sollte er schon heute den alles entscheidenden Schritt wagen? Will er es überhaupt? Heute? Jetzt schon? Vielleicht wäre dann alles, was bisher aufgebaut war, dahin. All die Gefühle füreinander zerstört. War etwas aufgebaut? Wenn ja, was? Wie weit durfte er gehen? Kann sie Gefühle für ihn empfinden und mit ihm schlafen, ohne ihn ganz zu wollen? Was bedeutet: ganz wollen? Gab er ihr nicht, indem er mit ihr schlief, schon alles? Mehr jedenfalls, als er eigentlich geben durfte, vierzehn Monate danach? Was denkt sie jetzt gerade? Hat sie ebenfalls Angst, die gerade erst im Entstehen befindliche Beziehung durch Unachtsamkeit wieder zu zerstören? Hat sie Angst, kaputt zu machen, was noch gar nicht ganz da ist? Oder denkt sie vielleicht: Ich darf ihn nicht enttäuschen? Vielleicht aber will sie an diesem Abend selbst nicht enttäuscht werden ...
Impressionen aus 9 Jahrzehnten - Leseprobe
Aus der Geschichte des Pritzwalker Sportvereins 1911 e.V.
Zum neunzigjährigen Bestehen des Pritzwalker Sportvereins möchte ich Ihnen im Namen des Landes Brandenburg von Herzen gratulieren. Die Chronik des Vereins erzählt eine spannende Geschichte, die geprägt ist von beeindruckenden Persönlichkeiten...
Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe
Sehr beliebt waren bei unseren Ahnen auch schon die Tanzabende. Wenn die Herrschaften erst richtig im Gange waren, dann war richtig was los... Aber wehe, wehe, wenn die Polizeistunde verstrichen und nicht Ruhe war. Der Ackerbürger Wilhelm Berndt wurde im März des Jahres 1914 als Vertreter des Sportvereins zu 3 Mark Geldstrafe verurteilt, weil die beim Vereinsvergnügen auf drei Uhr festgesetzte Nachtruhe nicht eingehalten wurde. Für den Fall der Nichtzahlung wurde ersatzweise ein Tag Haft angeordnet. Ackerbürger Berndt zahlte lieber...
So wie diese kleine Anekdote haben sich viele in der Vereinsgeschichte zugetragen. Manche wurde überliefert und findet sich in den Kapiteln der insgesamt 14 verschiedenen Abteilungen wieder. Ein interessanter Rückblick auf die Geschichte des PSV 1911 e.V., dem heute größten Sportverein in der Prignitz.
Homepage des Pritzwalker Sportvereins 1911 e.V.
Die leise Sprache der Rosen - Leseproben
In diesem Buch lesen Sie von Liebe und Sehnsucht, von Achtung und Toleranz. Kommen Sie mit auf die Reise in das Reich der unerfüllten Träume. Hören Sie den Klang der Melodie, die sich nach Harmonie und Frieden sehnt. Die Erzählungen und Gedichte des Putlitzer Autoren werden Sie schnell in ihren Bann ziehen. Dieses Buch ist übrigens auch als Geschenk immer eine gute Idee. Hier nun einige Auszüge, die Ihnen ein Bild über das Schaffen des Autoren vermitteln.
Auszug aus der Erzählung:
Ein unbeschriebenes Blatt Papier
...
Der Morgen dämmerte draußen ganz sacht und erste Vögel begannen ihren Gesang. Unser Zettelchen freute sich, als der Mensch kam und es behutsam aus der Schachtel nahm. Sehr langsam begann er zu schreiben. Ganz sorgfältig führte der Mensch die Feder und tat so dem Blättchen nicht mal ein wenig weh. Als er es von beiden Seiten beschrieben hatte, las er es sich selbst noch einmal vor. Recht leise zwar, doch verstand unser Zettelchen jedes einzelne Wort. "Liebe Frau, wenn Du dies liest, bin ich schon auf Reisen. Doch bleibt mit meinen Worten ein Teil von mir bei Dir. Ich danke Dir für Dein Vertrauen. Du tust gut daran, denn es ist Grundstein für eine feste Beziehung. Für die ganze Welt bist Du ein jemand, für mich bist du die ganze Welt. Ich freue mich auf das Fest. Bis dahin bleib´ gesund. Dein Liebster!!!" Anschließend nahm der Mensch das Zettelchen vor seinen Mund und berührte es zärtlich mit den Lippen. Dann legte er es auf den Tisch, wo er vorher einen hübschen Blumenstrauß aufgestellt hatte.
Wie freute sich da unser kleines weißes Stück Papier... Es hatte die wichtigste Botschaft der Welt überbringen dürfen!
...
Ein Beispiel für Gedichte rund um das Thema Liebe:
Zwischendurch
Die Wärme küßte mich wach,
sie kam aus deinem Gesicht.
Holt mich zurück aus tiefer Nacht,
federleicht, doch mit so viel Gewicht.
Und neigt sich der Tag dann dem Ende,
spüre ich gern an meiner Seite,
deine ach so zärtlichen Hände,
bis mich verschlingt die traumhafte Weite.
Ich verlier mich in Gedanken an dich
und fühle daß glücklich ich bin.
Nicht nur früh und spät an sich,
sondern auch ganz mittendrin.
Ein sehr zu Herzen gehendes Gedicht, daß bei Lesungen des Autoren immer wieder zu emotionalen Regungen unter den Gästen führt, ist das folgende:
Gedanken bei Nacht
Des Tages spätes Licht
ganz langsam nun erlischt.
Dunkle Schleier wallen sacht,
leise tritt herein die Nacht.
Sie breitet ihre Schwingen
um Menschen Ruhe zu bringen.
Wenn Sterne sich am Himmel zeigen
hüllt sich die Welt in tiefes Schweigen.
Lieg wach ich noch, von Dir so fern,
denke an Dich: Ich mag Dich gern.
Dankbar für das, was Du mir gegeben
an Kraft und Liebe aus Deinem Leben.
Hab so viel von Dir bekommen -
hast selten was zurück genommen.
Im Herzen trag ich viel von Dir.
Mutter! Ich danke Dir dafür.
Wenn Sie mehr lesen möchten, nutzen Sie einfach das Bestellformular.
Ganz leis noch möcht ich sagen... - Leseproben
Die in Kunststoff gehaltene Präsentationsmappe umfasst 20 Aphorismen, die den Folien entnommen und gerahmt werden können (Din A 4). Bei den Aphorismen handelt es sich um Einzeldrucke, in limitierter Auflage, die vom Autoren handsigniert wurden.
Hier eine kleine Auswahl für Sie:
Wahrhaft reich ist der,
der mit Liebe vermag,
selbst das Kleinste
ohne große Worte zu teilen.
Nicht die lauten Reden
sind´s, die zählen.
Manch leises Wort
wiegt schwerer.
Wer die Schönheit
von Stille und Dunkelheit entdeckt,
dessen Seele ist reicher,
als es das Licht zu zeigen vermag.
Das Wahrhaft Bedeutende
In unserem Leben
wird, bis ganz am End
von Stille begleitet.
Die Seele
spricht ohne Worte.
Aus den Augen.
Es bedarf nicht mehr.
Menschlichkeit
ist vielen,
der deutschen Sprache mächtigen,
leider ein Fremdwort nur...
Nicht wie weit dein Weg dich führte,
wird einst von Bedeutung sein.
Was wirklich zählt,
ist, wohin er dich brachte.
Wer nicht fähig ist,
das kleine Glück zu entdecken,
wird das große
nie in seinen Händen halten.
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